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Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) ist der wirtschaftlich bedeutendste Schädling im europäischen Maisanbau. Ohne die direkte Bekämpfung kann er erhebliche Ernteverluste von mehr als 30 dt/ha verursachen. Die Schadschwelle liegt im Körnermais bei 25-30% befallener Pflanzen, im Silomais bei 35-45%. 

Verbreitungsgebiet:


Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Deutschland eingeschleppt, tritt er inzwischen in allen Anbaugebieten auf. Bis vor etwa 15 Jahren sorgte er nur in den alten Kerngebieten für Schäden. Diese Befallsgebiete umfassetn in erster Linie den Rheingraben, den Bodensee-Raum, Südhessen, Teile der Pfalz und den Großraum Stuttgart. Heute findet man den Zünsler in allen süddeutschen Anbaugebiten, auch in Höhenlagen bis 700 m. Und er breitet sich weiter aus. Nach Norden hin, hat er über das Kölner Becken, die niedersächsischen Anbaugebiete erreicht. Im Osten richtet er flächig in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Teilen Brandenburgs größere Schäden an. Erste Falter wurden bereits 2006 an der Nordsee gefangen.

 

 

Auch in den Nachbarländern Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Österreich werden zum Teil erhebliche Schäden registriert. In der Schweiz, Italien und Frankreich tritt er regional sogar in zwei Generationen auf.

Der Maiszünsler ist polyphag, d.h. er entwickelt sich neben dem Mais in vielen anderen Kulturen wie Paprika, Tomaten, Hopfen, Bohnen, Brennesseln, Amaranth-Arten usw.). Seine enorme Anpassungsfähigkeit an verschiedene Kulturpflanzen und Klimabedingungen ist die Ursache für die immer weiter fortschreitende Ausbreitung, auch in eher unwirtliche Regionen hinein.

Der Schädling:

Die Larven überwintern in den Maisstoppeln. Je nach Witterung beginnt ab Mitte/Ende Mai die Verpuppung und ab Anfang Juni fliegen die ersten Falter. Der Falterflug beginnt mit dem Flug der Männchen, die Weibchen folgen im Abstand von 3-5 Tagen. Die nachtaktiven Falter verbergen sich tagsüber im Mais, oft aber auch in Nachbarkulturen. Mit Beginn der Dämmerung werden sie aktiv, und die Weibchen legen die Eier in dachziegelartigen Gelegen von bis zu 40 Eiern an den Blattunterseiten der Maispflanzen ab.

Während der circa 10-tägigen Lebensdauer, legt ein Weibchen bis zu 1000 Eier ab. Für die Eiablage werden hohe und üppige Maisbestände bevorzugt.  Die schlüpfenden Larven fressen zuerst an den Blüten und obersten Blättern der Pflanzen, seilen sich dann ab und bohren sich schließlich in die Maispflanze ein. Vor dem Einbohren verteilen sich die Larven auch durch den Wind, in dem sie sich an einem Spinnfaden hängend, weiter tragen lassen. So können sie Strecken bis zu 4 m zurücklegen. Ab dem 3. Larvenstadium erfolgt die Einbohrung in den Stängel und Kolben.     

Die Maiszünslerlarve kann sich nicht durch den harten Pflanzenknoten fressen, sie verlässt deshalb den Stängel und bohrt sich neu ein oder wechselt die Pflanze. Zum Ende der Vegetationsperiode ist die Larve an der Stängelbasis angekommen, wo sie überwintert. Die Larve überwintert in Diapause, einer genetisch festgelegten Winterruhe, die durch Temperatur und Licht ausgelöst wird.  Der Anteil der überwinternden Larven wird natürlich durch Verpilzung oder Vogelfraß reduziert.


Die bivoltine Maiszünslerrasse


In Deutschland fliegt überwiegend eine (univoltine) Generation des Maiszünslers, allerdings wird seit 2003 regional eine zweite Generation beobachtet, die sich in Südbaden etabliert hat. Im südlichen Europa treten regelmäßig 2-3 Generationen auf. 2015 war wieder ein starker Flug der bivoltinen Maiszünslerrasse zu beoabachten, partiell sind auch Puppen einer 3. Generation gefunden worden. Auch auf dem Referenzstandort in Nordbaden haben wir eine Puppe gefunden, die evtl. auf das beginnende Vorkommen der bivoltinen Rasse hindeutet.     

Neben der zusätzlichen Bedrohung des Maisanbaues durch den Maiswurzelbohrer, tritt eher unbemerkt eine weitere Larve auf, die den Mais regional erheblich schädigen kann: der Baumwollkapselwurm Helicoverpa armigera. Ein aus dem Mittelmeerbereich einwandernder Schädling, der ähnlich wie der Maiszünsler eine große Palette verschiedener Pflanzen befällt und durch den Fraß erheblich schädigt. Auch Helicoverpa hat sich 2015 regional zu einem Problem entwickelt, die großen Larven verursachten im Gemüse und Tomaten Schäden, auch im Zuckermais wurden Larven beobachtet.





Das Aussehen der Maiszünsler wird von der Farbe der Flügel bestimmt. Die Falter haben eine Gesamtlänge von 20-30 mm. Die Farben und Zeichnungen der Falter können differieren.

Weiblicher Falter:

Mit einer Größe von 25-30mm länger als die Männchen. Die Vorderflügel sind hell- bis ockergelb, mit drei gezackten Binden. Die graubraunen Hinterflügel sind durch zwei dunkle Querbinden mit einem hellen Saum gekennzeichnet. Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal ist der dicke Hinterleib der Weibchen.

Männlicher Falter:


Die Vorderflügel des Männchens sind zimtbraun mit gelben zackig über den Flügel verlaufenden Querbinden. Typisch ist der helle Mittelfleck. Die Hinterflügel sind graubraun mit hellem Saum.




Die Lebensdauer der Falter wird stark von den Witterungsverhältnissen beeinflusst, im Schnitt leben die Falter zwischen 4 und 10 Tage. Bei hoher Luftfeuchte länger als bei niedriger. Die Weibchen leben länger als die Männchen. Das Geschlechterverhältnis liegt bei circa 50:50.

Ein trockener, warmer Witterungsverlauf führt in der Regel zu einem kurzen und starken Flug der Falter. In feuchten und kühlen Sommern verschleppt sich der Flug über einen wesentlich längeren Zeitraum. Die Falter werden bei Nachttemperaturen über 11°C aktiv, die Hauptaktivität liegt bei 18-20°C. Die Falter nutzen Thermik und Winde und können so weite Strecken bis 20 km pro Nacht zurück legen.

Entscheidend für den späteren Befall ist die Witterung während der Eiablage. Ein Weibchen kann unter optimalen Bedingungen bis  zu 1000 Eier ablegen. Die Weibchen fliegen entlang der Reihen und bevorzugen kräftige Pflanzen für die Eiablage. Ein großer Teil der schlüpfenden Larven stirbt bereits in den ersten Entwicklungsstadien. Sind die Klimabedingungen in diesem Zeitraum optimal, ist der Anteil überlebender Larven höher.

Sekundäre Schäden bedingt durch den Maiszünsler

Der Fraß der Larve zerstört die Leitungsbahnen innerhalb der Maispflanze; das führt zu einer Mangelversorgung, die zu einer schwachen Kolbenausbildung und geringen Pflanzengröße führen kann. In Jahren mit einem starken Kolbenbefall, erfolgt zudem eine verstärkte Infektion der Kolben mit verschiedenen Fusariumpilzen oder mit Beulenbrand. Die sich daraus bildenden Mykotoxine haben z.B. 2014 zu großen Problemem bei der Vermarktung geführt.        



Die indirekte, mechanische Bekämpfung der Larven:

Die Maiszünslerbekämpfung ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung einer erfolgreichen Ernte. Zur Ernte befinden sich etwa 70 % der Larven unterhalb des 2. Knotens. Daher sind neben der direkten Bekämpfung, auch indirekte Bekämpfungsmaßnahmen wie das Zerhäckseln der Stoppeln und ein sauberes und tiefes Pflügen wichtig, um den der Anteil überlebender Maiszünslerlarven deutlich zu reduzieren. Es dürfen dabei keine ganzen Stängelreste an der Bodenoberfläche verbleiben, in denen die Larven überwintern.

Ein weiterer wichtiger Nebeneffekt der Maisstoppelbearbeitung ist eine verbesserte Bodenhygiene. Die Infektion nachfolgender Kulturen wie Weizen oder Mais mit schädigenden Pilzen oder Viren wird reduziert.   

Wo das Pflügen nicht möglich ist, sollten die gut zerkleinerten Pflanzenreste von Körner– und Silomais flach eingearbeitet werden, um die Verrottung der Stoppeln zu beschleunigen. Eine Kalkung mit kohlensaurem Magnesiumkalk und Stickstoff intensiviert die Strohrotte. Die zusätzliche Gabe von Kalkstickstoff im Frühjahr, fördert die Rotte und hat eine insektizide Wirkung auf Bodenschädlinge.

Die Mulchsaat hat arbeitswirtschaftliche und ökologische Vorteile. Aber der pfluglose Anbau von Mais fördert den Vormarsch des Zünslers, wenn zu viele oberirdisch verbleibende und nicht zerkleinerte Pflanzenteile Überwinterungsmöglichkeiten für die Larven bieten.

Wichtig ist vor allem eine großflächig angelegte Stoppelbearbeitung, die im besten Fall die ganze Gemarkung umfasst. Einzelne, nicht bearbeitete Flächen dienen im neuen Jahr als Infektionsherde für alle umliegenden Felder!

Ein Beispiel zur Populationsentwicklung des Maiszünslers:

Annahme:
1 Weibchen legt ca. 30 Gelege ab aus denen sich je 5 Larven entwickeln
1 x 30 x 5 = 150 Larven (= 75 Weibchen)
Die Population erhöht sich um den Faktor 75!
Um die Population allein auf gleichem Niveau zu halten, müssten 74 der 75 Weibchen sterben.
Dies entspricht einer notwendigen Reduktion von 98,7%!

Eine Bekämpfung durch Mulchen, Hächseln oder sonstiger Zerkleinerung der Maisstoppel sollte deshalb regelmäßig durchgeführt werden. 

Auf dem DMK-Praktikertag 2016 in Dummersdorf gab es einige Lösungen zu sehen. Aktuelle Technik für die Maisstoppelbearbeitung im Überblick auf

www.agrarheute.com/bilder/maisstoppeln-zerkleinern-aktuelle-technik-ueberblick

Quelle: Deutsches Maiskomitee e.V. (DMK)


 


 

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