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Die 2. Generation des Maiszünslers

Die 2. Generation des Maiszünslers

Schon im heißen Sommer 2003 mehrten sich in einigen Regionen die Hinweise auf das Vorkommen einer 2. Generation des Maiszünslers. Im Spätsommer 2006 haben wir Rahmen der Versuche zum DBU-Projekt Helicoverpa, südlich von Freiburg außergewöhnlich viele Maiszünsler in der Lichtfalle gefangen, sowie kleine Larven in den Maispflanzen gefunden. Dies war der Beginn der Aufzeichnung der 2.Generation in Deutschland. Nach einem starken Anstieg in den Jahren 2007 und 2008 hat sich diese Rasse inzwischen in Sudbaden etabliert.

Die bivoltine Maiszünsler-Rasse (zwei Generationen/Jahr) kommt seit Jahrzehnten in Südfrankreich, Italien, Spanien und in der Schweiz entlang des Genfer Sees und im Tessin vor. In einigen Regionen Nordamerikas tritt der Maiszünsler sogar in drei Generationen auf, aus China wird von bis zu 6 Generationen berichtet.

Wie das Vordringen der univoltinen Maiszünsler-Rasse in die nördlichen Anbaugebiete und die Höhenlagen, so ist auch die Ausbreitung der bivoltinen Maiszünsler auf die sich ändernden Klimabedingungen zurückzuführen. Diese Rasse hat einen geringeren Temperaturbedarf für die Entwicklung, wodurch sie in der Lage ist, pro Jahr zwei Generationen hervorzubringen und zu vollenden!

Jetzt auch im Norden Baden-Württembergs?

Während in St. Leon-Rot, einer unserer wärmsten Ecken und Beobachtungstandorte im nördlichen Baden-Württemberg, die Verpuppung der univoltinen Maiszünsler-Rasse gerade begonnen hat, fanden wir Ende Mai bei einer Kontrolle auf einem Standort im Raum Mannheim bereits leere Puppenhüllen in den Maisstoppeln. Beim anschließenden Keschern wurden sowohl männliche als auch weibliche Falter gefangen, die über Nacht im eigens aufgestellten Käfig erste Eier abgelegt haben. Vermutlich handelt es sich hier um ein neues Verbreitungsgebiet der bivoltinen Rasse. Zur Klärung dieser Frage wird der Entwicklungsverlauf während der Saison 2017 intensiv beobachtet.

Die Verpuppung der bivoltinen Maiszünsler erfolgt bereits ab Anfang Mai und die Falter beginnen Mitte bis Ende Mai mit dem Flug und der Eiablage. Die Entwicklung vom Ei zur Larve dauert 3 -7 Tage und bereits Ende Juli haben diese Larven ihre Maximalgröße (L5) erreicht und sind bereit für die Verpuppung.

Die zweite Generation der bivoltinen Rasse fliegt Anfang/Mitte August bis in den September hinein. Die Larven, die aus diesen Eiern schlüpfen, fressen bevorzugt an den reifenden Kolben und verursachen dadurch besonders großen Schaden. In der Folge siedeln sich an den Fraßstellen Fusariumpilze  an. Die Larven können sich bis zum Winter soweit entwickeln, dass eine Überwinterung möglich ist.

Unterschiede zwischen der univoltinen und bivoltinen Maiszünsler-Rasse
 

Univoltine Rasse

Bivoltine Rasse

Eine Generation pro Jahr

Zwei Generation pro Jahr

Verpuppungsbeginn bei 200 TG (Tagesgrade der Temperatursumme)

Verpuppungsbeginn der 1. Generation bei 50 TG (Tagesgrade der Temperatursumme)

Puppendauer circa 150Tage

Puppendauer circa 130-150 Tage

Flugbeginn bei 350 Tagesgraden

Flugbeginn der
1. Generation bei 200 Tagesgraden

Erste Larven bei 430 Tagesgraden

 

Entwicklung der bivoltinen Maiszünsler in Südbaden, Aufstellung nach Grafik: LTZ Karlsruhe-Augsutenberg)


Die Ausbreitung der bivoltinen Maiszünsler-Rasse seit 2006


Ausbreitung der bivoltinen Maiszünsler in Südbaden
(Grafik: LTZ Karlsruhe)

Univoltin oder bivoltin?

Der Befall durch die bivoltine Rasse unterscheidet sich von der univoltinen Rasse durch das erste Schadbild. In den Blättern der jungen Maispflanzen finden sich Reihen kreisrunder Löcher, die die Larven der 1. Generation in die eingerollten Blätter fressen.



Die Bekämpfung der bivoltinen Maiszünsler


Wichtig ist es, dass die Bekämpfung gleich beim Erscheinen der ersten Generation beginnt.

Da diese bereits Ende Mai fliegt, muss die erste Ausbringung der Trichogrammen zu diesem Zeitpunkt erfolgen. 2009 wurden erstmals auf Empfehlung der LTZ Karlsruhe drei Einsätze der Nützlinge (1. Ende Mai, 2. Mitte Juni, 3. Ende Juli) mit insgesamt 500.000 Tieren/ha ausgebracht.

Zur Bekämpfung der univoltinen Rasse wird das erste Mal Mitte bis Ende Juni Trichogramma ausgebracht. Abhängig von der Witterung werden 10 bis 14 Tage später ein zweites Mal erneut 100.000 Trichogrammen pro Hektar verteilt. Das ist in der Regel ausreichend, um Wirkungsgrade von bis zu 80 % zu erreichen.

Die Bekämpfungssituation wird durch das Erscheinen der bivolitnen Rasse nicht einfacher. Die Flugzeiten der beiden Rassen überschneiden sich und die bivoltine Rasse breitet sich von Jahr zu Jahr immer weiter aus.

Die indirekte, mechanische Bekämpfung des Maiszünslers

Es gilt die Population der Maiszünsler großräumig niedrig zu halten. Um die Anzahl der überwinternden Raupen zu reduzieren, ist es wichtig, die auf dem Feld verbleibenden Pflanzenreste gründlich zu zerkleinern und nach Möglichkeit sauber einzupflügen.

Die Mulchsaat hat arbeitwirtschaftliche und ökologische Vorteile. Aber der pfluglose Anbau von Mais gehört zu den Faktoren, die die Ausbreitung des Zünslers begünstigen. Oberirdisch verbleibende Pflanzenteile bieten den Larven optimale Überwinterungsmöglichkeiten, in denen sie auch  sehr tiefe Minusgrade  überleben. 


Heute steht eine große Auswahl an Häckslern und Bearbeitungsgeräten für eine gründliche Zerkleinerung der Maisstoppel zur Verfügung. Allein durch diesen Bearbeitungsgang kann die Anzahl der überlebenden Raupen deutlich reduziert und der Befallsdruck für das Folgejahr gesenkt werden. Aber nur das systematische Hächseln aller Maisflächen in der Gemarkung führt zum Erfolg, bleiben einzelne Maisfelder unbearbeitet, dann dienen sie als Infektionsherde für das neue Jahr.

 

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